Warum Veränderung so verdammt anstrengend ist: Die Angestrengte

20. Jan.. 2026

Veränderung ist anstrengend. Aber Hand aufs Herz: Scheitern ist es auch. 

Wir alle tragen ein Team von inneren Anteilen in uns, die uns mal vorantreiben und mal mit aller Kraft zurückhalten. Oft geschieht das völlig unbewusst. Sie werden von Glaubenssätzen und Verhaltensmustern genährt, die uns jahrelang geprägt haben.

Wenn du nachhaltige Veränderung willst, darfst du diese Saboteur:innen nicht nur kennen, sondern sie entmachten. Und weil es nicht darum geht, sie wegzumachen ( das funktioniert nicht, denn sie gehören zu dir), hol sie zurück ins Boot und mache sie zu Helfer:innen.

Im letzten Beitrag habe ich dir versprochen, die 5 Gründe zu beleuchten, warum Veränderung so schwierig ist. Heute schauen wir uns den ersten großen Player in deinem inneren System an.

Inhaltsverzeichnis

1. Das Programm: Wenn alles mühsam sein muss

Kennst du das Gefühl, dass das Leben ein einziger Hindernisparcours ist? Viele von uns sind darauf programmiert, sich „durchzukämpfen“. Wir glauben unbewusst, dass der Wert einer Sache daran bemessen wird, wie hart wir dafür gearbeitet haben. Diese inneren Antreiber sabotieren deine Ideen und Vorhaben oft genau dann, wenn es eigentlich leicht gehen könnte.
Und wenn es dann tatsächlich mal leicht geht, traust du dem Frieden nicht.

Die Kämpferin sieht überall nur Gegner: Der innere Schweinehund, die Zeit, die To- Do- Listen… Immer im Widerstand sein ist anstrengend.

2. Die Angestrengte: Erfolg durch Erschöpfung?

Die „Kämpferin“ in dir folgt einem harten Credo: „Du musst dich anstrengen, damit du geliebt wirst.“

In ihrer Welt ist Geldverdienen harte Arbeit und eine Beziehung führen ein ständiger Kampf. Dein inneres System signalisiert dir: Erst wenn es richtig weh tut, wenn du alles gegeben hast, hast du es wirklich „richtig“ gemacht. Bleibt der Erfolg aus? Dann hast du laut der Kämpferin einfach nicht genug geleistet.

Typische sprachliche Muster der Angestrengten:

  • „Ich muss erst noch...“
  • „Ich kann nicht mehr.“
  • „Das schaffe ich einfach nicht.“
  • “Ich muss mich mehr anstrengen, mehr disziplinieren."

Sogar in der Stimme hörst du die Anstrengung. Sie klingt hart, etwas knarrend und manchmal einen Tick zu laut. Hier wird hörbar, wie hart du oft zu dir selbst bist.

3. Mentale Blockaden und emotionale Überforderung

Was passiert psychisch, wenn dieser Anteil das Ruder übernimmt? Du verlierst den Blick für das Ziel und siehst nur noch Berge an Aufgaben. 

  • Die To-Do-Falle: Jedes neue Projekt wird sofort als riesige Last wahrgenommen. Du siehst die endlose Liste an Aufgaben und fühlst dich schon beim bloßen Gedanken daran gelähmt. Aber, du aktivierst alle Kraft und ziehst in den Kampf, bevor du aufgibst.
  • Hilfe-Resistenz: Jemanden um Unterstützung zu bitten? Für die Kämpferin ein Zeichen von Versagen. Wer es sich leicht macht, hat in ihren Augen schon verloren. Manchmal denkst du auch, dass jeder Mensch an seiner eigenen Front kämpft und keine Kapazitäten für dich hat.
  • Die Vermeidungtaktik: Du gehst Herausforderungen lieber direkt aus dem Weg, um die drohende Erschöpfung (Niederlage) zu umgehen..
    Manchmal liegt die krasseste Herausforderung auch darin, sich einzugestehen, dass es so nicht weitergehen kann.

4. Der körperliche Preis: Wenn das Nervensystem streikt

Die Angestrengte arbeitet nicht nur in deinem Kopf – sie besetzt deinen ganzen Körper. Dein Nervensystem ist in ständiger Alarmbereitschaft. Stresshormone fluten dein System, die Atmung wird flach und die Muskulatur bretthart. Typisch ist die „Kampfhaltung“: hochgezogene Schultern, der Kopf weit nach vorne gebeugt.

Entspannung fühlt sich in diesem Modus gefährlich oder wie Zeitverschwendung an. Du rennst so lange im Flucht- und Kampfmodus weiter, bis dein System den Stecker zieht. Dann bist du nicht einfach nur müde – du bist total am Ende.

5. Die Schutzstrategie: Warum wir vorher aufgeben

Wenn dieser Antreiber überwiegt, entwickelst du manchmal einen paradoxen Schutzmechanismus: Du gibst auf, bevor du richtig begonnen hast.

Dein Vorhaben scheitert, das Ziel rückt in weite Ferne. Das Paradoxe daran? Auch das Aushalten der Unzufriedenheit ist anstrengend, aber dieses Gefühl kennst du wenigstens. Du teilst dir deine Kraft gerade so ein, dass du überlebst – bis der Wunsch nach Veränderung wieder so groß wird, dass der Kreislauf von vorn beginnt.

6. Lösung: Vom Kampf in die Leichtigkeit

Wie kommst du da raus? Es beginnt mit einem kleinen, aber mächtigen Perspektivwechsel:

Kämpfe nicht gegen etwas. Kämpfe FÜR etwas.

Das allein erzeugt sofort weniger inneren Widerstand. Hier sind weitere Schritte für deinen Weg:

  • Suche dir Unterstützung: Es ist kein Versagen, Hilfe anzunehmen – es ist smart.
  • Teilziele fokussieren: Brich den riesigen Berg in kleine, begehbare Etappen.
  • Körperarbeit: Balanciere dein Nervensystem durch bewusste Pausen und tiefe Atmung.
  • Ressourcen entdecken: Es gibt auch Anteile in dir, die dich unterstützen wollen. Sogar die Kämpferin. Aktiviere sie!

Erinnere dich immer wieder daran: Es darf auch leicht sein.


Kommt dir die Angestrengte bekannt vor? Erlebst du sie bei dir selbst oder beobachtest du dieses Muster bei Menschen in deinem Umfeld?

Schreib es mir gerne in die Kommentare! Und bleib dran – im nächsten Teil schauen wir uns an, welche anderen Saboteur:innen noch in unserem inneren Repertoire warten. Stay tuned!

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